Unsere Schachreise nach Bad Homburg

Liebe JKG-Schachinteressierte,

von Donnerstag, 07. Mai bis Sonntag, 10. Mai begleitete ich fünf Kinder unserer 5. und 6. Klassen zur Deutschen Schulschachmeisterschaft der WK IV nach Bad Homburg. Durch den Titel zur Landesolympiade in Dresden hatte unsere Schule nun schon zum vierten Mal in Folge die Ehre, das Land Sachsen auf Bundesebene mitzuvertreten. Mit dabei: Mika, Eliah, Julius, Abdulaziz (alle 6-4) und Nam San (5-4).

Für mich ging die „Fahrt“ schon am Vorabend los. Ich bekam die Meldung, dass einer der Mitfahrer nicht ganz fit sei, womit die Teilnahme des Kindes auf der Kippe stand. Am nächsten Morgen dann die Gewissheit: Mika, unser 1. Brett, fällt krankheitsbedingt aus. Für solche Fälle ist es immer gut, Ersatzleute dabei zu haben, sodass wir am Ende dennoch mit einer vollbesetzten Truppe die Hinreise antreten konnten.

Tag 1 – Anreise und Werwolf

Das Wetter hat sich auf jeden Fall Mikas Gesundheitsstatus angepasst: Es regnete den ganzen Vormittag in Strömen, sodass ich schon beim Abholen des KJF-Vereinsbusses absolut durchnässt war. An der Schule angekommen packte ich die restlichen relevanten Schach-Sachen ein und wartete auf die (hoffentlich!) gesunden Kinder. Nach und nach trudelte ein klatschnasses Kind nach dem anderen ein und bezog seinen Platz im aufgewärmten Bus. Gegen 12:45 Uhr setzte sich dann das Schachmobil in Bewegung und nahm Kurs auf das gut vier Fahrtstunden entfernte Ziel: Bad Homburg vor der Höhe. Auch während der Fahrt sollte sich das Wetter nicht maßgeblich bessern. Erst, als wir die Skyline von Frankfurt vor uns sahen, erhellte sich der Himmel und die letzte halbe Stunde der Fahrt wurde für den Fahrer etwas angenehmer. 😉


In der Jugendherberge angekommen, wurden erstmal die Basics abgearbeitet. Der Kampf darum, wer oben schlafen darf, ging erstaunlich ruhig vonstatten. Nach dem anschließenden Abendessen wurden dann die Betten bezogen, ehe bei der großen Begrüßung schon mal auf grundlegende Dinge hingewiesen und zur Einstimmung ein Film einer letzten DSM abgespielt wurde. Danach beteiligten sich die Kinder an den vom Veranstalter organisierten Werwolf-Runden, ehe gegen 22 Uhr die Nachtruhe eingeläutet wurde.

Tag 2 – Turnierstart und Fußball

Heute sollte es nun zum ersten Mal ernst werden: 36 Teams (die zwei besten aus jedem Bundesland + 4 Wildcarder) hatten in den nächsten drei Tagen 9 Spieltage vor sich, an denen an vier Brettern um Türme, Springer und Damen gekämpft wird. Dafür hat jeder Spielende 30 min Bedenkzeit – ein Spiel geht also maximal eine Stunde. Wir als JKG waren durch unsere Durchschnitts-DWZ sogar auf Rang 3 gesetzt und hatten auf dem Papier gute Chancen, dieses Jahr wieder oben mitspielen zu können. Dennoch mussten wir erstmal das Fehlen unseres ersten Brettes kompensieren, sodass Eliah, Julius, Abdul und Nam San jeweils einen Platz nach vorn rutschten und Tag 1 alleine „wuppen“ mussten.


Nach dem Frühstück trafen wir um 08:30 Uhr im ersten Spiel auf das Internationale Stiftungsgymnasium Magdeburg. Auf dem Papier zwar favorisiert, mussten sich unsere Kinder aber dennoch mit 1:3 geschlagen geben. Lediglich Julius und Abdul konnten ein Remis erkämpfen, was am Ende aber nur für Ergebniskosmetik reichte.

Um 10:00 Uhr fand dann schon die zweite Runde statt. Unsere Gegner diesmal: das Dr. Drank Gymnasium Straßfurt. Wir bekamen es zum Start also mit beiden Vertretern aus Sachsen-Anhalt zu tun. Auch hier taten sich unsere Jungs schwer: trotz zweier Siege von Eliah und Julius kamen wir nicht über ein 2:2 hinaus und mussten weiterhin auf unseren ersten Mannschaftssieg im Turnier warten.

Glücklicherweise konnten wir den Tag dann aber doch noch mit zwei Triumphen abschließen: Abdul und Nam San holten an Brett 3 und 4 nun auch ihre ersten Siege und trugen maßgeblich zu den beiden 3:1-Erfolgen gegen das Alte Gymnasium Bremen und das Pelizaeus Gymnasium Paderborn bei. Somit befanden wir uns nach Tag 1 und vier von neun Spieltagen im oberen Tabellendrittel – und das trotz Fehlen unseres ersten Bretts. Trotz Startschwierigkeiten haben die Jungs das echt super kompensiert!

Den Nachmittag ließen wir dann mit einer Runde Fußball ausklingen. Aufs „Arschbolzen“ haben wir am Ende aber aus Sicherheitsgründen verzichtet… zu groß war das Risiko, einen weiteren Ausfall im Team verkraften zu müssen.


Dann die schöne Botschaft fürs Team: Mika ist genesen und wird „nachgeliefert“. Nach einigen Telefonaten und Routenplanungen wurde sich auf einen Treffpunkt an der Autobahnraststätte geeinigt. Was im ersten Moment nach Geiselaustausch und Lösegeldübergabe klingt, war im Endeffekt aber eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Mika war zwar noch leicht angeschlagen, dennoch freute er sich riesig, wenn auch etwas verspätet, doch noch mit dabei sein zu können. Auch das Team war sehr positiv gestimmt und erleichtert, nun wieder auf ihren eigentlich vorherbestimmten Positionen zu spielen. Nach dem Abendessen kümmerte ich mich also darum, dass die Kinder trotz meiner Abwesenheit unter Obhut waren, und machte ich mich auf dem Weg ins 60 km entfernte Atzenhain. Dort sackte ich unseren kleinen Hoffnungsträger ein und gemeinsam traten wir dann die Rückstrecke an. Wieder in der Jugendherberge angekommen hatten die Jungs sogar schon das Bett für Mika bezogen und befanden sich mitten im Tandem-Turnier. Unsere beiden Teams „Schwangus Longus“ und „Turmus Maximus“ belegten jeweils solide Mittelfeldplatzierungen und hatten eine Menge Spaß.

Tag 3 – Bittere Niederlagen und Minigolf

An Tag drei fanden wiederum drei Spielrunden statt. Unser Ziel war es, wieder in den Finalraum (an dem die drei besten Teams sitzen) einzuziehen und dort um gute Platzierungen zu kämpfen. Gestartet sind wir mit einem Duell gegen das Gymnasium Ulricianum Aurich. Mika hat in seinem ersten Spiel direkt unter Beweis gestellt, dass er seine Krankheit abgeschüttelt hat und sein Auftaktspiel gewonnen. Durch einen weiteren Sieg von Eliah und ein Remis von Julius konnten wir dieses Spiel mit 2½:1½ gewinnen und positiv in den Schachtag starten. Eine halbe Stunde später wartete dann mit dem Dürer-Gymnasium Nürnberg ein echter Brocken auf unsere Jungs. Die Nürnberger waren die bis dato Drittplatzierten des Turniers. Die Kinder wussten also: Wenn sie hier mithalten können, würden sie sich in der Spitzengruppe festsetzen und sich dann mit den „ganz großen Fischen“ messen dürfen. Leider musste sich unser Team hier allerdings mit 1:3 geschlagen geben. Lediglich Mika an Brett 1 und Julius an Brett 3 konnten ihrem Gegenüber ein Remis abluchsen. Nach der Mittagspause mussten unsere Kinder leider die zweite bittere Niederlage des Tages einstecken: Gegen die Erich-Kästner-Grundschule Falkensee reichte es am Ende leider nur für ein 1½:2½. Nur Mika und Eliah konnten uns hier anderthalb Punkte sichern. Somit wussten wir in diesem Moment: Für einen Platz in die Top 10 wird es in diesem Jahr wahrscheinlich nicht reichen.


Zum Ausgleich des durchwachsenen Schachtages haben wir uns danach als Gruppe dafür entschieden, den örtlichen Minigolfplatz zu besuchen. Standesgemäß konnte ich hier meine ganze Minigolferfahrung unter Beweis stellen und das Spiel für mich entscheiden. Im Anschluss haben sich einige von uns noch ein Eis gegönnt, ehe es wieder zurück in die Jugendherberge ging. Dort wartete schon das Grill-Buffet auf uns. Der Tag fand erneut seinen Ausklang bei einem vom Veranstalter organisierten Werwolf‑Abend. Danach trafen wir schon die ersten Vorkehrungen für die Abreise. Damit der nächste Morgen nicht allzu stressig wird, beschlossen unsere Kinder ihr Zimmer schon in einen gewissen „Grundordnungszustand“ zu bringen und fielen dann müde ins Bett.


Tag 4 – Finalrunde und Heimreise

Wie immer bei solchen Reisen ist der letzte Morgen der Stressigste (zumindest für mich). Noch vor der achten und vorletzten Runde, die 08:30 Uhr begann, musste das Zimmer abgegeben werden. Es erforderte also eine gute Planung, um die Zimmer-in-Ordnung-Bringung und das Frühstücken so stressfrei wie möglich zu gestalten. Dies ist uns nur teilweise gelungen. Nach 1 bis x (x < 20) Nachbesserungswünschen zur Zimmervorabnahme meinerseits haben es die Kinder aber dennoch irgendwie geschafft, pünktlich zum Rundenstart im Turniersaal zu sitzen. Das Zimmer war abgegeben, das Auto beladen. Jetzt konnte der volle Fokus auf die letzten beiden Turnierspiele gelegt werden. Ziel war es, nochmal an die Top 10 heranzukommen.

Das sah zunächst auch ganz gut aus. In Runde 8 trafen wir aufs Königin-Katharina-Stift-Gymnasium Stuttgart. Durch Siege von Nam San und Julius und zwei Remis von Eliah und Mika konnten wir hier einen ungeschlagenen 3:1-Erfolg einfahren und hatten nun alles in der eigenen Hand, das Turnier zu einem ordentlichen Ende zu bringen. Leider hat es aber beim letzten Duell gegen das Team vom Werner-von-Siemens-Gymnasium Regensburg wiederum nur für eine knappe 1½:2½-Niederlage gereicht. Somit hat unser Team das Turnier auf einem soliden Platz 19 von 36 im Mittelfeld der Tabelle beendet.


Natürlich haben sich die Kinder von ihrer Reise ein etwas besseres Endergebnis gehofft. Dennoch waren alle am Ende positiv gestimmt. Die schönen Momente, tollen Freizeitaktivitäten und das allgemeine Ambiente einer Deutschen Meisterschaft überwiegen.

Wir greifen trotzdem wieder an und kommen wieder!

Ein großer Dank geht an den Förderverein, der die Familien und mich seit Jahren schon erheblich finanziell bei der Umsetzung dieser Reise unterstützt!

Viele Grüße

Robert Elß

Schachverantwortlicher JKG
KJF e.V. Chemnitz

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